Filoú der kleine Zauberesel entdeckt die Welt – Teil 4

Noch am selben Morgen machen sich Filoú, Thoma und Mathéo auf den Weg in die unbekannte Welt außerhalb des Zauberwaldes, die sie nur aus Gruselgeschichten mit angsteinflößenden Schurken und mutigen Helden kennen.

Langsam nähern sich die drei Freunde dem Waldrand vor und erreichen schließlich die letzte Baumreihe, wo bereits helle Sonnenstrahlen den Waldboden überfluten. Mathéo das Eichhörnchen wird mit jedem Schritt langsamer und auch der sonst so abenteuerlustige Bär Thoma zögert. Da packt Filoú völlig unerschrocken die beiden Angsthasen am Arm und zieht sie aus dem Wald. Doch was sehen sie da?

Staunend bleiben alle drei auf einem schmalen Pfad stehen und glauben ihren Augen, Ohren und Nasen kaum. Vor ihnen liegen weite Kornfelder, die im Sonnenlicht golden schimmern. Sie sehen Wiesen mit einer bunten Vielfalt an duftenden Blumen und Bäume voll von saftigen, roten Äpfeln. Vollkommen überwältigt von der Schönheit der Landschaft, schlendern die drei etwas benommen den Pfad entlang vorbei an lila-leuchtenden Lavendelfeldern, hinauf auf hohe, steinige Berge und hinunter in grüne Täler. Doch plötzlich werden sie aus ihren Träumen gerissen. „Hilfeeeee, Hilfe, bitte ist da jemand? Ich brauche Hilfeeeee…!“, hallt es durch die Landschaft. Hektisch schauen sich Filoú, Mathéo und Thoma um, aus welcher Richtung die verzweifelten Hilferufe wohl kommen könnten.

Da entdeckt Thoma an einem Baum neben ihm einen schwarzen Schatten, der wild herumzappelnd in der Luft schwebt. Aufgeregt winkt er die anderen zu sich und gemeinsam näheren sie sich vorsichtig dem unbekannten Wesen. Je mehr Schritte sie auf die fremde Gestalt zu machen, desto unwohler wird ihnen dabei. Wild zappelt es in der Luft und schreit immer und immer wieder um Hilfe. Auf einmal bleibt Mathéo skeptisch stehen und blickt fragend zu seinen Freunden „Ist das …? Ist das, das ist doch ein …! Das ist ein Esel!“

Da fällt die ganze Angst von ihnen ab und sie rennen die restlichen Schritte auf das Wesen zu. Und tatsächlich! Eine Eselin mit vier Beinen, einem glänzendem Fell und zwei wunderschönen grünen Augen blickt die drei Freunde hilfesuchend an. Sie war in die Falle eines Jägers getreten und hing nun völlig verzweifelt mit einem Bein am Baum in der Falle fest. „Oh Eselsgötter sei Dank, endlich! Ihr seid gekommen, um mich zu retten! Schnell helft mir aus der Schlinge, bevor der Jäger kommt! Bitte, bitte, bitte!“

Ohne viel zu überlegen, klappert Filoú mit seinen blauen Zauberhufen, um das süße Eselmädchen aus der Falle zu befreien. Es macht wieder dreimal „klick, klick, klack“, doch was ist los? Warum hängt die Eselin immer noch am Baum?

Entsetzt starren alle den Baum und die Gefangene an. Entrüstet fragt Thoma: „Filoú, warum funktionieren deine Zauberhufe nicht mehr? Bist du etwa krank? Vielleicht solltest du etwas von meinem Honig essen, damit du wieder stark und …“ „Ich weiß warum der Zauber nicht funktioniert“, unterbricht ihn das Eichhörnchen Mathéo. „Ich habe einmal im großen Buch des Zauberwaldes gelesen, dass unsere besonderen Gaben und Kräfte nur funktionieren, wenn wir im Zauberwald sind. Je weiter wir uns vom Zauberwald entfernen, desto schwächer und verwundbarer werden wir! Oh nein, was machen wir denn jetzt?“ Damit haben die drei Freunde nicht gerechnet. Aber irgendwie müssen sie dem armen Eselmädchen doch helfen können!

Da hat Filoú eine Idee „Hey Mathéo schnell, kletter auf meinen Kopf, du musst das Seil durchbeißen!“ Entgeistert schaut Mathéo den Esel an. Nach einigen weiteren Aufforderungen klettert Mathéo schließlich doch auf den Kopf des Esels. Dieser wendet sich nun an Thoma und bittet ihn, sie hochzuheben. Mit vereinten Kräften bilden die drei Freunde so eine Räuberleiter, sodass sie nun an die Schlaufe der Falle herankommen.

Filoú der kleine Zauberesel entdeckt die Welt - Teil 4

Eifrig nagt Mathéo an dem Seil und versucht den Knoten zu lösen. Ratsch, ratsch! Plötzlich reißt das Seil und das Eselmädchen landet jubelnd auf dem Boden. Vor lauter Freude über die Befreiung kann Thoma Filoú und Mathéo nicht mehr halten und die drei fallen rückwärts ebenfalls auf die Wiese. Lachend richten sich alle wieder auf und das Eselmädchen bedankt sich mit stürmischen Umarmungen bei Thoma und Mathéo. Nur bei Filoú hält sie kurz inne, blickt ihm schmunzelnd in die Augen und drückt ihn einen Kuss auf die Wange. „Ich danke euch, ihr seid meine Helden! Ich übersah die Falle und plötzlich hing ich in der Luft! Oh ich hatte ja solche Angst! Zum Glück seid ihr vorbeigekommen! Ach übrigens, mein Name ist Clarisse! Wie heißt ihr denn und wohin reist ihr?“

Noch vollkommen entzückt von Clarisses Schönheit und dem Kuss läuft Filoú rot an und bekommt kein Wort heraus. Deshalb übernimmt Thoma kurzerhand das Wort: „Wir kommen aus dem Zauberwald, ich Thoma, mein Freund Mathéo und der vierliebte Esel hier ist Filoú. Wir suchen unsere Freundin, Camille das Rehmädchen. Sie hat den Zauberwald ganz alleine verlassen, um in der Stadt bei den Menschen Sängerin zu werden. Hast du sie vielleicht gesehen?“ „Nein ich habe niemanden gesehen, leider…“, entgegnet Clarisse „aber ich kenne den Weg zur Stadt! Ich könnte euch dorthin führen!“ Von dieser Idee ist Filoú ist begeistert und nickt so heftig mit dem Kopf, dass die anderen darüber lachen müssen.

Zu viert machen sie sich nun auf den weiten Weg in die große und gefährliche Stadt, zu den Menschen. Doch ob sie Camille dort finden werden?

Das erfahrt ihr das nächste Mal, wenn es wieder heißt Filoú der kleine Zauberesel entdeckt die Welt – Teil 5.

Ihr kennt Filoú noch nicht? Kein Problem, hier könnt ihr das erste Abenteuer, das zweite Abenteuer und das dritte Abenteuer von Filoú und seinen Freunden noch einmal nachlesen.

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