Hilfe, mein Kind steckt in der Trotzphase!

trotziges KindIst euer Kind zurzeit wie ausgewechselt? Seine Launen unberechenbar? Sind „ich will“, „nein“ und „alleine“ seine neuen Lieblingswörter geworden? Wutanfälle an der Supermarktkasse und Diskussionen um jede Kleinigkeit kennt ihr nur zu gut? Dann ist klar: Euer Sprössling steckt mitten in der Trotzphase. Zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr gibt es einen sogenannten „Übergangsabschnitt“ in der Entwicklung, eine häufig schwierige Zeit, in der sich erstmals der kindliche Selbstbehauptungswille bemerkbar macht. Wodurch die heftigen Gefühlsausbrüche eures Kindes entstehen und wie ihr am besten damit umgeht, erfahrt ihr hier.

Wie äußert sich die Trotzphase bei Kindern?
Sarah ist drei und versucht den Reißverschluss ihrer neuen Jacke zu schließen. Sie will es unbedingt alleine schaffen, es gelingt ihr aber einfach nicht so, wie sie es sich vorstellt. Die Hilfe ihrer Mutter lehnt sie partout ab. Beim dritten Versuch wird sie so wütend, dass sie die Jacke auszieht und brüllend in die Ecke wirft. Es ist für ein Kleinkind nicht einfach damit klarzukommen, dass es manche Dinge noch nicht alleine kann. Es erkennt zunehmend, dass es ein selbstständiges Wesen ist, versucht sich von den Eltern abzunabeln und testet die eigene Durchsetzungsfähigkeit. Ein Trotzanfall kann daher auch ein Austesten der eigenen Grenze sein. Klassisch dabei ist die Situation an der Supermarktkasse: Der kleine Tom ist vier und bettelt nach Gummibärchen. Er wird bei jedem „Nein“ seiner Mutter lauter und lauter, bis er sich schreiend auf den Boden wirft. Was würdet ihr jetzt tun? Nachgeben, weil es so peinlich ist oder konsequent sein und die Kommentare und Blicke der Leute ertragen?

Wodurch entstehen kleinkindliche Gefühlsausbrüche?
Es ist wichtig zu wissen, dass ein Kind in diesem Lebensabschnitt keine Kontrolle über seine Gefühle hat. Es wird regelrecht von seinen Empfindungen überrollt. Frustration und Zorn sind meistens die Auslöser für Wutanfälle. Im zweiten und dritten Lebensjahr befinden sich Kinder zwischen Trennungsangst und Abenteuergeist. Sie wollen die Welt entdecken, brauchen aber gleichzeitig die Nähe der Eltern. Und das beunruhigt. Die Kinder sind hin- und her gerissen, was zu inneren Spannungen führen kann, die sich dann in stürmischen Gefühlsausbrüchen entladen. Ältere Kindergartenkinder erleben häufig noch einen anderen Zwiespalt zwischen Wollen und Können. Sie haben Ideen und Begehren, die sich aber nicht immer erfüllen lassen. Dadurch kommt die Wut im Bauch immer wieder und oft ganz plötzlich auf.

schmollendes Kind in der TrotzphaseTipps für die Trotzphase: So geht ihr am besten damit um
Im Idealfall kennt ihr die Frustrationsschwelle eures Kindes und könnt so manchen Wutanfall verhindern. Manchmal hilft es, eurem Kind Hilfe anzubieten oder es mit einem Buch oder Spielzeug abzulenken. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass ihr euer Kind vor jeder Frustration bewahren sollt. Frustration ist eine wichtige Erfahrung für euer Kind – es lernt damit, Aufgaben zu meistern. Versucht, eurem Kind nur so viel Frustration zuzumuten, sodass es damit noch umgehen kann. Gebt ihm außerdem so oft es geht die Gelegenheit seine Gefühle auszudrücken, indem es auf eine Trommel schlagen, im Park herumrennen, laut schreien oder wild tanzen darf. Wenn euer Kind bereits in einem Wutanfall steckt, dann könnt ihr nur eines tun: Ruhe bewahren. Diskussionen helfen in dieser Situation nicht viel, da euer Kind jetzt gar nicht in der Lage ist klar zu denken. Schenkt dem Gefühlsausbruch so wenig Aufmerksamkeit wie möglich (außer natürlich euer Kind tut sich, euch oder einem anderen Kind weh). Wartet ab, bis sich euer Kind beruhigt hat und redet erst dann mit ihm über seine Gefühle und warum es zu dem Ausbruch kam. Wenn ihr gerade im Supermarkt oder auf dem Spielplatz seid, dann ist es am besten, wenn ihr euren Sohn oder eure Tochter aus der Situation herausnehmt (wenn es sein muss tragend), um an einem ruhigeren Ort abzuwarten bis der Wutanfall vorbei ist.

Trotzanfälle bei Kindern: Strafen bringen nichts
Es gibt ein paar Dinge, die ihr unbedingt versuchen solltet zu vermeiden: Ganz wichtig ist, dass ihr euer Kind nach einem Wutanfall weder belohnt noch bestraft. Das heißt, die Gummibärchen sollte es auch dann nicht geben, wenn sich euer Kind schließlich beruhigt hat. Ihr solltet aber auch nicht nachtragend sein und euer Kind strafen, indem es zum Beispiel direkt ins Bett muss. Versucht den Ausbruch an sich nicht allzu ernst zu nehmen, die Gefühle, die dahinter stecken aber schon. Denkt niemals, dass ihr eine schlechte Mutter oder schlechter Vater seid, wenn euer kleiner Trotzkopf „mal wieder“ bei Freunden einen Gefühlsausbruch hatte. Es muss euch wirklich nicht peinlich sein und persönlich nehmen dürft ihr das Ganze erst recht nicht.

Lichtblick: Die Trotzphase geht vorbei
Auch wenn eure Nerven manchmal ganz schön strapaziert werden und eure Geduld oft bis aufs Äußerste gereizt ist – denkt daran, dass die Trotzphase eine relativ kurze Phase im Leben eures Kindes ist, die vorbei geht und bald vergessen sein wird… Versprochen!

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Trotzphase eurer Kinder gemacht? Welche Tipps könnt ihr anderen Eltern geben?

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