Was tun, wenn das Kind aggressives Verhalten zeigt?

Kratzen, beißen, schlagen – wenn Kinder ein solches Verhalten zeigen, fallen die meisten Eltern erst einmal aus allen Wolken. Haben wir irgendwas falsch gemacht? Warum passiert das? Ist unser Kind etwa böse? Ganz ruhig und tief durchatmen, wir sind all diesen Fragen auf den Grund gegangen und verraten Dir außerdem, wie Du Dich in einer solchen Situation am besten verhalten solltest.  

Gerade war Dein kleiner Goldschatz doch noch so süß und spielte friedlich mit seinem besten Freund Max Musterkind im Sandkasten. Es wurde gelacht, gemeinsam die nächste Sandburg gebaut und geschwisterlich jedes bunte Förmchen geteilt.

Und plötzlich – Zack – Max wurde grob mit der Schaufel auf den Arm geschlagen. Ein durchdringendes Weinen erklingt. Und wer ist Schuld? Das eigene Kind, von dem man bis jetzt noch dachte, es könnte keiner Fliege etwas zu leide tun. Ja – viele Eltern kennen diese Situation, genauso wie die Gefühle von Scham, Unverständnis und Entsetzten, die einen in einem solchen Moment schnell überrollen können.

Doch keine Sorge – Kinder schlagen generell nicht aus Bösartigkeit. Experten sagen sogar, dass Kinder erst im Alter zwischen vier und fünf überhaupt erst ein Verständnis dafür entwickeln was sie durch das unkontrollierte Herumfuchteln einer Sandkastenschaufel in Richtung eines anderen kleinen Lebewesens alles anrichten können. Denn erst in diesem Altersabschnitt entfalten Kinder die Fähigkeit eines Perspektivwechsels.

Deshalb ist es umso wichtiger einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, denn meist spiegelt aggressives Verhalten das nicht Erfüllen von eigenen Bedürfnissen wieder.

Hier sind einige Gründe, die dem aggressiven Verhalten Deines Kindes zugrunde liegen können: 

  1. Das aggressive Verhalten Deines Kindes ist spielerisch gemeint, es dient dem Kontaktaufbau. Kinder probieren sich sehr viel aus. Im Spiel ist es da durchaus möglich, dass auch mal ein Benehmen zutage tritt, das so manche Eltern die Hände über dem Kopf zusammen schlagen lässt.
  2. Es sehnt sich nach mehr Aufmerksamkeit und hat durch Beobachtung herausgefunden, dass negatives Verhalten mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, als positives.
  3. Es hatte die falschen Vorbilder – denn Kinder ahmen nach. Wenn Zuhause Probleme auch mit Aggression gelöst werden, überträgt sich dieses Verhalten schnell auf das Kind.
  4. Das Kind benutzt seine Aggression als Druckmittel, weil es merkt, dass es so eher das bekommt was es will – z.B. das Max Musterkind nicht mehr mit seinem Lieblingsförmchen spielt.
  5. Anders herum kann es jedoch auch sein, dass es sich selbst vor einer „Opferrolle“ schützen möchte. Das heißt also, dass es gemerkt hat, dass es in Ruhe gelassen wird, wenn es aggressives Verhalten zeigt und ihm dadurch beispielsweise kein Spielzeug mehr weggenommen wird.
  6. Dein Kind hat ein überschwängliches Temperament mit dem es noch nicht umzugehen weiß und reagiert auf Gefühle wie Angst und Unsicherheit mit unkontrollierter Aggression.
  7. Das Kind hat eine schwere Zeit durchlebt – etwa durch die Trennung der Eltern. Oftmals ist es für Kinder leichter ihren Gefühlen durch Wut freien Lauf zu lassen, als durch Trauer.
  8. Das Kind hat noch nicht gelernt sich richtig zu artikulieren, das heißt: Da ihm die Worte fehlen, versucht es seinem Frust körperlich Ausdruck zu verleihen.

So kannst Du mit der Aggression Deines Kindes umgehen: 

Für viele Eltern wird es zu einer richtigen Herausforderung mit der Aggression des eigenen Kindes zurechtzukommen. Schließlich muss bei der „Bestrafung“ genau das richtige Maß getroffen werden. Gibt man dem Ganzen zu viel Raum und Aufmerksamkeit kann sich ein negatives Verhalten schnell festsetzten, da das Kind lernt: Schlechtes Benehmen = Viel Aufmerksamkeit und Zuwendung von den Eltern. Generell gilt jedoch:

  1. Du solltest zunächst die Ursache erforschen. Warum hat das Kind so gehandelt, wie es gehandelt hat?
  2. Darüber hinaus sollte natürlich auch ehrliches Interesse und Mitgefühl der Erziehungsbeauftragten bestehen mit dem Ziel, dass ein klares Verbot einer solchen Handlung ausgesprochen wird.
  3. Allerdings muss auch hier abgewogen werden, denn Aggression, Verlust und Frust sind durchaus Emotionen, die dem Kind dabei helfen sich zu entwickeln und im Leben zurechtzufinden. Es muss lernen damit umzugehen und seinen Frust auch mal „rauslassen“ dürfen. Vielen Kindern hilft es zum Beispiel ihre Aggressionen beim Sport abzubauen.
  4. Dem Kind sollten alternative Lösungswege an die Hand gegeben werden. Etwa in dem es ruhig bleibt oder weggeht, um der Aggression des Gegenübers den Wind aus den Segeln zu nehmen.
  5. Du solltest selbst ein gutes Vorbild sein und Konflikten zuhause nicht mit Aggression begegnen.
  6. Es sollte Konsequenzen geben, jedoch mit genau dem richtigen Grad an Aufmerksamkeit. Viele Eltern richten ihrem Spross eine „Auszeit“ ein indem er für einige Minuten in eine Art stille Ecke muss, um über das eigene Verhalten zu reflektieren.

Falls sich über einen längeren Zeitraum hinweg keine Besserung einstellt oder Du das Gefühl hast, komplett überfordert zu sein, ist es natürlich ratsam sich professionelle Hilfe zu holen. Diese kann Deiner Familie dabei helfen, das eigene Kind und sein Verhalten besser zu verstehen, damit es am Ende wieder zu einem schönen und harmonischen Miteinander kommt.

 

geschrieben von
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